Historie "alte Schule in Faid"

Wann der erste Unterricht in Faid gehalten wurde, lässt sich mit Bestimmtheit nicht sagen. Im Jahre 1879 stellte bereits der damalige Lehrer Leitz Vermutungen auf: " Eine Schule scheint schon sehr früh in Faid bestanden zu haben, wenigstens wissen sich die ältesten Leute nicht zu erinnern, etwas von der Errichtung der ersten Schule gehört zu haben. In dem Besitz eines Einwohners von hier findet sich ein Bild aus dem Jahre 1740, gemalt von dem Lehrer (Ludi-Magister) Liel. Ein geschriebenes Versperall aus etwas späterer Zeit rührt von dem Küster und Lehrer (Magister) Freimuth her. Später waren als Lehrer hier tätig Peter und Theodor Kratz, Vater und Sohn.“

 

schule

 

Über amüsante, menschliche Schwächen eines anderen Lehrers entnehme ich einem alten Schriftstück: "Die originellste Figur unter den hiesigen Ludi-Magister war der Johannes Oster, genannt "Spielhannes". Klug wie er war, hatte er sich ein nicht unbedeutendes Vermögen zu erwerben gewusst. Er war nicht bloß Lehrer und Küster, sondern als echter Ludi-Magister auch Musikant, der hier am Orte und auch auswärts bei Kirchweihen und anderen Festlichkeiten zum Tanz aufspielte. Er war ein alter Junggeselle und hatte seine Schrullen. Er besaß wenigstens 50 verschiedene Anzüge, die in Farbe und Schrift verschieden waren. Jeden Tag kam er in einem anderen Anzug und es war sehr ergötzlich, wenn er z.B. am Ostertage mit langem Kanisal, kurzer Hose, scharlachroter Weste mit dichter Reihe kugelförmiger Knöpfe und Schnallenschuhen durch die Kirche gewandelt kam." Nach dem Herrn Oster, der seinen Posten später niederlegt, kam ein Lehrer namens Heinzen aus Gevenich. Er war ein ehemaliger französischer Korporal. Mit der Gemeinde lag er fortwährend im Streit. Deshalb sah er sich veranlasst, mit dem Lehrer Fritzen zu Briedern zu tauschen. Zwischen dem Lehrer Fritzen und dem Pastor Groß brach ein äußerst unglücklicher Streit aus, der die ganze Gemeinde in zwei Lager spaltete. Zuletzt musste der Lehrer, er war der schwächere Teil, weichen, doch erkannte ihm die Gemeinde eine kleine Pension von 30 Talern zu. Auch Pastor Groß wurde für ein Jahr von seinem Amte suspendiert.


Nach der gewaltsamen Pensionierung des Lehrers Fritzen wurde am 1. Februar 1861 Lehrer Nell mit dieser Schulstelle betraut, der am 6. November 1879 nach Sobernheim versetzt wurde.


Für die nächsten vier Jahre war Lehrer Latz in Faid tätig, der am 12. Dezember 1883 nach Weyer versetzt wurde.


Ein Lehrer der "neuen Generation" war der Nachfolger Johann Peter Reuter.
Er muss ein sehr kluger Kopf gewesen sein, denn seine Aufzeichnungen in der Chronik zeugten von einem fundierten Wissen und einem durchblickenden Zeitverständnis. Lehrer Reuter wurde am 1. November 1894 nach Sauerbrunnen im Kreise St. Goar versetzt.


Vom 1.11.1884 bis zum 30. März 1900 wurde Lehrer Bengel mit dieser Lehrerstelle betraut. Von ihm wurde in den sechs Jahren wenig in die Chronik eingetragen.


Das Jahr 1900 kann als ein Jahr des häufigen Lehrerwechsels bezeichnet werden. Nach der Versetzung von Lehrer Bengel trat Lehrer Weiler hier seinen Dienst an. Nach einmonatigem Wirken an diesem Orte wechselte dieser seine Stelle mit der des Lehrers Treins in Wollmerath. Dieser wirkte hier bis zum Eintritt zum Militär am 1. Oktober 1900. Vom 1. Oktober bis 2Jum 1. April 1901 wurde die Schule vom Lehrer Häfner verwaltet. Bei dessen Eintritt zum Militär wurde dem Lehrer Simon diese Lehrerstelle Übertragen.


Die erste Schule, über die ich bereits im vorigen Teil ausführlich berichtet habe, befand sich in der Nähe der Kirche. Unten befand sich das Gemeinde-Backes, darüber die Schule. Es wird wohl die erste Schule gewesen sein, die bereits über eine Fußbodenheizung verfügte.


Das neue Schulhaus wurde im Jahre 1843 erbaut und im Jahre 1844 von Lehrer Fritzen bezogen. An der Baustelle standen einige kleine Strohhäuser, welche die Gemeinde ankaufte und niederriss. Es bestand ursprünglich der Plan, in der Nähe der Kirche einen Bauplatz anzukaufen. Den einzigen zum Bau geeigneten Platz, der Garten von Herrn Spengler, konnte die Gemeinde nicht bekommen, da Herr Spengler zu viel dafür verlangte. Er wäre auch zu klein gewesen. Deshalb wurde die Schule an der Queter gebaut.


Lehrer Reuter beschreibt das Schulhaus so: " Das hiesige Schulhaus ist zweistöckig und ganz aus Bruchsteinen aufgeführt'.. Der Schulsaal befindet sich jm zweiten Stocke. Im ersten Stock ist die Lehrerwohnung. Sie besteht dort aus drei Zimmern, einer Küche und einer Vorratskammer. Unter den Wohnzimmern im Erdgeschoss befindet sich der Stall, in welchen man fünf Stück Rindvieh stellen kann. Jedoch fehlt der zur Viehhaltung erforderliche Futterraum. Als solcher wurde von meinen Vorgängern und wird auch von mir der große Bodenraum benutzt. Neben dem Stalle ist ein schöner Keller. Von den Räumen der Lehrerwohnung sind drei heizbar."


Die Besoldung für den hiesigen Lehrer betrug unter dem Lehrer Fritzen 130 Tal, jährlich. Jedoch waren hierbei mancherlei Lieferungen mit eingerechnet, so dass gewöhnlich die festgesetzte Summe nicht erreicht wurde. Jede Familie von Dohr hatte an den hiesigen Lehrer als Küster eine gute Korngarbe zu liefern. Da aber infolge die.5er Lieferung zwischen dem Lehrer und den Bürgern von Dohr mancherlei Streitigkeiten entstanden, bestimmte schließlich der Landrat, dass an Stelle dieser Lieferung von der Gemeinde Dohr 2 Taler und 12 Groschen an Geld gezahlt werden sollte. Zu gleicher Zeit wurde auch für die Lieferungen von Faid eine Geldsumme festgesetzt..


Von jeher gehörte zu der Lehrerbesoldung ein Garten, die Preistebahn genannt, da dort in früheren Zeiten oft Wettreiten stattgefunden haben sollen. Mit dem Garten aber war es nicht zum Besten, da durch das Dorf ein äußerst schlechter Weg führte und deshalb während des ganzen Winters der Weg über den Garten des Lehrers eingeschlagen wurde. Aus diesem Grunde ist es auch erklärlich, dass Lehrer Fritzen damit einverstanden war, als zwei größere Stücke des Gartens gegen Felder eingetauscht wurden. Als aber im Jahre 1848 durch das Dorf ein neuer Weg gebaut wurde, konnte der Garten auch wirklich als solcher benutzt werden. Lehrer Reuter kaufte einige veredelte Obstbäume und einige Obststräucher, so dass der Garten danach ein ganz anderes Aussehen hatte.


Mit der Lehrerstelle war die Küsterei von jeher organisch verbunden. Früher war der Lehrer auch Küster von Dohr.


Nach einer Liste vom 28. September 1828 betrug die Zahl Schulkinder 40. Bis zum Jahre 1883 war die Zahl der Kinder auf 76 gestiegen. 1885/86 besuchten 96 Kinder die Schule. Deshalb wurde ab Juni 1885 eine Halbtagsschule eingerichtet.


Äußerst arg wütete im Jahre 1887 die Diphtherie unter den Kindern. Vorn 17. Mai bis 14. Juni starben infolge der Krankheit 17 Kinder.


Im Jahre 1876 wurde hier eine sogenannte Abendschule eingerichtet. Schulentlassene konnten an zwei Abenden in der Woche ihre Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen verbessern.


Die Schulaufsicht über die Schule führte stets der Pfarrer. Am 1. Oktober 1884 wurden die Kirchendienste vom Schulamt getrennt